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c-base logbuch

Crew der abgestürzten Raumstation c-base gibt technische Unterstützung für Kulturraumschiff

Am 5.9.2014 dockte ein persönliches Shuttle mit dem Ziel Hamburg von unserer äußeren Luftschleuse ab. 6 Crewmember waren unterwegs zu einer technischen Unterstützungsmission für das Kulturraumschiff MS Stubnitz [Website ms.stubnitz.com] in Hamburg.

photo by falque

Die MS Stubnitz im Trockendock

Das Kulturraumschiff MS Stubnitz ist ein ehemaliges Kühlschiff [wikipedia.org Stubnitz_(Schiff)], aus der Fischereiflotte der DDR. Es beherbergt seit 1992 eine Crew von Freiwilligen, die mit diesem Schiff Kultur und Kunst in die Seehäfen des Nord- und Ostseeraums bringen.

Als voll zugelassenes Seeschiff für unbegrenzte internationale Fahrt muss die Stubnitz alle 5 Jahre ihre Klasse erneuern (quasi „Schiffstüv“). Teil dieser amtlichen Untersuchung ist eine Begutachtung des Zustands der Hülle, welche nur in einem Trockendock erfolgen kann. Die durch das Trockendock und die Klassenerneurung entstehenden Kosten konnten nur teilweise durch Rücklagen aufgefangen werden, für den anderen Teil der enstehenden Kosten gibt es eine bedrohliche Kostendeckungslücke, die nur durch ein Crowdfunding abgedeckt werden kann.

Selbstverständlich muss sich das Kulturraumschiff in dieser finanziellen Situation auf freiwillige Helfer verlassen, weil das Personal für solche Arbeiten nicht bezahlt werden kann. Die Crew aus der c-base traf Freitagabend ein und begann Samstag morgen vor Sonnenaufgang mit der ersten Arbeitsschicht. Im Trockendock werden auch die Ankerketten untersucht, weshalb die Ankerketten vollständig im Trockendock ausgebreitet waren. Dieser Umstand bot die Chance den Kettenkasten (Aufbewahrungsschacht für die Ankerketten) zu reinigen, denn dort hatte sich über das letzte Jahrzehnt eine mehrere Kubikmeter große Menge Schlamm angesammelt. Dieser Schlamm bestand aus Seewasser, Meeresboden, Rost, Eisenstaub und Schmierfett der Ankerwinde.

spezialle c-base EVA Overalls wurden für diese schmutzige Mission erzeugt.

spezialle c-base EVA Overalls wurden für diese schmutzige Mission erzeugt.

Aufgrund der besonderen Enge des Kettenkastens im Bauch des Schiffs konnte hier nur mit Muskelkraft gearbeitet werden. Nur mittels spezieller Schutzkleidung war es möglich diese Mengen an Schmutz mittels Eimern über eine Höhendistanz von 5 Metern dort rauszuhiefen und über eine enge Treppe zu tragen. Dabei stellten wir fest, dass die Holzbohlen, auf denen die Ankerketten lagern, teilweise zerbrochen waren. Aus den an Bord befindlichen Holzmengen konnte unsere Crew entsprechende Mengen an Bongossi-Tropenholz entnehmen und mittels einer Tischkreissäge, die elektrisch vorher instand gesetzt werden musste, die Bohlen ablängen. Das Tropenholz ist an dieser Stelle technisch notwendig, weil es nass nicht verrottet und die tonnenschwere Stahlketten in dieser anspruchsvollen chemischen Umgebung jahrelang tragen kann.

Der Backbord Kettenkasten von oben mit Crewmember

Der Backbord Kettenkasten von oben mit Crewmember

Samstag abend übernahm ein Teil unserer Crew eine Schicht an der Außenhaut und entfernte Rost und Farbe mittels einer 500 bar Hochdruckanlage, die Wasser gepulst auf die Außenhaut schiesst. Obwohl wir alle keine Höhenangst haben, waren die hydraulischen Steiger nicht auf den Rückstoß der 500 bar Anlage ausgelegt und so wurde es ein Rodeoritt im Trockendock, bei dem wir alle plötzlich doch wieder Höhenangst hatten.

Sonntag morgen vor Sonnenaufgang (06:00!!!) gingen die Arbeiten an der Außenhülle weiter, paralell auf zwei Steigern wurde gestrichen und gespottet, also Rostblasen und Risse mit der 500 bar-Anlage punktbehandelt, um einen sauberen Haftgrund für die Farbe zu schaffen (oder anders ausgedrückt: man schiesst sich einen Haufen Farbsplitter ins Gesicht und hält dabei gefühlte 10kg in den Händen).

zwei Crewmember auf einem Steiger an der Backbord-Bordwand der Stubnitz

zwei Crewmember auf einem Steiger an der Backbord-Bordwand der Stubnitz

Die Außenmission wurde am Nachmittag auf dem Vordeck der Stubnitz abgeschlossen, um anlässlich des Geburtstags von Ihmis-Suski eine Flasche Champagner zu köpfen (ja, wortwörtlich…). Die Crew begab sich kurz darauf wieder in das persönliche Shuttle und begab sich zurück zur Raumstation.

Nachtrag: Am 13.9.2014 verließ das Kulturraumschiff MS Stubnitz das Trockendock und liegt nun wieder am Kai im Baakenhöft in Hamburg.
Gleichzeitig erreichte uns die Nachricht, dass die Klassenerneuerung erfolgreich war und die MS Stubnitz wieder für 5 Jahre ein vollständig zugelassenes internationale Seeschiff ist, also ein weiterer Betrieb wie bisher möglich ist. Als letzte Aufgabe gilt es nun noch für das Crowdfunding genug Unterstützer zu finden.

Aufruf:Die Crew der Stubnitz und die teilnehmden c-basecrewmember bitten euch herzlich, euch am Crowdfunding [startnext.de/stubnitz-voll-voraus] zu beteiligen, um einen weiteren Betrieb des Kulturraumschiffs Stubnitz zu ermöglichen.

Buchscann0r

Dies ist mein nun endlich fertiger Buchscann0r. Der Buchscann0r ist in zwei Achsen beweglich. Der Buchhalter unten ist nach links und rechts verschiebbar,
damit die Glasplatten immer exakt im Falz des Buches sitzen. Weiterhin ist der rechte Tei des Buchhalters nur gesteckt und lässt sich in der Position zwischen 0 und 120mm in 12mm-Schritten verschieben, damit hat jedes Buch korrekten Halt im Gestell, und der Buchrücken wird geschont, da er egal wie dick das Buch ist, immer flach aufliegt.

Die beiden Glasplatten sind an stabileren Schienen befestigt und mit einem Gegengewicht ausgerüstet, um den Scanvorgang zu erleichtern und den notwendigen Kraftaufwand für eine spätere Motorisierung zu minimieren. Die Kette läuft über zwei Zahnräder, welche beide kugelgelagert sind. Die Konstruktion der Umlenkmechanik ist bewusst großzügig ausgeführt, um Platz frei zu behalten für die spätere Montage eines Motors. Die Achsen sind aus Silberstahl und haben eine Toleranz von wenigen hunderstel Millimeter. Die Kugellager sind versiegelt, brauchen also weder geölt noch gereinigt zu werden, da sie nicht verschmutzen können. Die Zahnräder stammen aus einem Modellbau-System mit verschiedenen Größen, dies erleichtert die spätere Montage eines Getriebes, da man leicht weitere passende Zahnräder kaufen kann.

Die Kameras sind zwei Canon Ixus100IS mit 12,1 Megapixel. Als Software läuft auf den Kameras ein SDM, da ich mit dem CHDK die Kameras nicht per Remote auslösen konnte. Inzwischen sind alle Softwareprobleme dank des Engagements von Carcinoma gelöst. Die Box unten Rechts enthält ein Netzteil und eine kleine Platine, welche das Foto auslöst. Die Schaltung ist äußerst simpel und tut nichts anderes, als beim Auslösen des Tasters 5V auf Pin1 (+) und Pin4 (-) des USB-Ports zu legen. Die Stromversorgung kann vom SDM (und theoretisch auch vom CHDK) abgefragt werden und so als Taster-Input in Skripten genutzt werden.

Das Gehäuse ist bewusst großzügig und erweiterbar gehalten, damit spätere Elektronik für Schrittmotorsteuerung, Servosteuerung oder Auslesen von Sensorik bequem Platz finden kann. Auch das verbaute Netzteil ist absolut überdimensioniert. Es hat eine Leistung von 110W und liefert 5V und 12V. Damit sollte auch der hungrigste Motor zufrieden zu stellen sein und weitere Umbaumaßnahmen der Stromversorgung sind nicht notwendig.

Der Buchscann0r ist ab jetzt funktionstüchtig, auch wenn die Kamerahalterungen noch etwas Feinjustage benötigen, damit die Kameras auch wirklich das Buch aus dem optimalen Winkel aufnehmen.

Ich möchte mich für die Hilfe bei allen Beteiligten Bedanken. Ganz besonders QShell für die gedrehten Achsen und den Korrosionsschutz der Zahnräder, Maethor für unermüdliches Gerade-Feilen der Holzteile und viel weitere Hilfe beim Zusammenbauen, Carcinoma und Grimm für Hilfe bei der Kamerasoftware, sowie allen anderen Beteiligten, die Gehalten, gefeilt, gesägt, gedacht, beraten und überlegt haben. Ohne die c-base und deren Mitglieder wäre dieses Projekt niemals so schnell fertig geworden.

Mit dieser Hardwarebasis ist es nun möglich in kleinen Schritten vorzugehen, auf dem Weg zu einem vollautonomen Buchscanner, der auch selbst umblättert. Bis dahin ist noch viel Arbeit zu tun, aber die Vorarbeiten sind nun erledigt. Natürlich kann der Buchscann0r jederzeit von Basemembern benutzt werden. Dazu bitte eine E-Mail an ijon@c-base.org, dann verabreden wir einen Termin für eine kurze Einführung und ich gebe dir die Kameras, welche ich nicht in der Base lagere, da ich sie auch für andere Dinge verwende.

Es gibt natürlich noch viel zu tun, so müssen die Kabel besser verlegt werden und im Gehäuse zusammengeführt werden, derzeit bekommt der Strahler seinen Strom über einen eigenen Stecker. Dies soll geändert werden, so dass der Strahler in Zukunft über einen Schalter im Gehäuse gesteuert wird. Natürlich bekommt das Gehäuse noch eine Innenbeleuchtung, da es aus Plexiglas gebaut wurde. Dies hat nicht nur optische Gründe, sondern soll auch den Opensource-Gedanken versinnbildlichen, der hinter dem Projekt steht.

Ich habe auch schon eine Idee für das vollautomatische Umblättern, aber ich würde mich freuen, wenn sich noch mehr Leute mit diesem Problem (rein gedanklich) beschäftigen und mir ihre, unabhängig gebildeten, Ideen bei einem Bier erzählen könnten. Auch die Software für die Postproduktion ist bisher nicht optimal, hier ist noch etwas Forschungsarbeit von mir notwendig, bevor ich umfassend über den Status Quo berichten kann, etwas fertiges oder funktionstüchtiges gibt es bisher aber nicht, wohl aber einige Shell-Skript-Konglomerate, die mehrere verschiedene Programme nacheinander starten und verschiedene Tasks durchführen, das ist aber alles noch beta, halbfertig und für andere Kameratypen gebaut, in wieweit das benutzbar ist, muss evaluiert werden.

Eine grafische Oberfläche, die die verschiedenen Funktionen und Tasks bündelt und passend zum Konzept des Scanners durchführt, wäre der Traum der DIY-Buchscanner-Community. Ich bin auf die Verbesserungen der nächsten Monate gespannt und würde mich freuen, wenn auch Programmierer aus der c-base an dem/den opensource-Projekten zu Buchscanner-Postproduktion teilnehmen würden.